
Ich hatte mir eben mein Croissant genüsslich mit Butter und Erdbeermarmelade beschmiert, als Carsten auch schon mit seinem Vespa-Roller in die Talstraße knatterte.
Wir hatten uns zum Frühstück in der Makrele verabredet, Julias neuem Domizil nach dem traurigen Ende des Kukuuns. Wer mich kennt, weiß, dass ich jahrelang meine Geburtstage im Kukuun gefeiert habe und sehr traurig war, als es schließen musste. Nicht zuletzt, weil es doch immer die Location für den Freizeitklub war.
Nun saßen wir also morgens um 10 auf dem Kiez. Ich hatte mich zu dieser Tageszeit selten länger hier aufgehalten schon gar nicht in der Talstraße, aber ich weiß jetzt: Es lohnt sich!
Kaum hatte sich Carsten neben mir niedergelassen und sein Frühstück geordert (ohne es zu wissen, das gleiche wie ich), quatschte ein recht freakiger Typ in Motorradklamotten, aber auf einem rostigen Fahrrad sitzend, Julia an einem der draußen stehenden Tische an. Offenbar hatte er eine Antwort auf seine Frage bekommen und steuerte zielstrebig auf Carsten zu. Im nächsten Moment führten die beiden eine leidenschaftliche Diskussion über Motorroller.
Ich konnte zu dem Thema nichts beisteuern und widmete mich den Passanten dieser frühen Stunde. Neben einem armen Kerl, der um diese Uhrzeit schon vor lauter Alkohol im Blut kaum noch laufen konnte, fiel mir ein riesiger, kräftiger Schwarzer im Bundeswehr(!)-Flecktarn-Overall auf, der eben an den ersten Früstücksgästen vorbeistapfte. Der Zeitungsleser neben mir musste meinen Blick bemerkt haben und erklärte beiläufig: „Das ist der Putzmann vom Schwulen-Pornokino.“ Aha, dachte ich und wurde in meinen Gedanken, ob der gute Mann den Tarnanzug wohl aus praktischen oder Kundenservicegründen trug, von zwei älteren Damen unterbrochen. „Mann, Martha, das stinkt hier aber auch wieder nach Fisch“, polterte die eine und Martha klärte auf „Das ist kein Fisch, aber glaub mir, Du willst nicht wissen, wo das herkommt.“ Kerniger Humor, befand ich bei mir und wandte mich wieder Carsten zu, der seinen Vespa-Mann endlich gehen lassen hatte.
Was soll ich sagen? Wir hatten noch ein sehr nettes Frühstück, eine beidseitig dilettantische Kicker-Partie – und wieder mal das Gefühl, dass der Kiez doch noch etwas Besonderes ist – zu jeder Tageszeit!